Über Ervin Lázár

Der Hase als Übersetzer{Der ungarische Schriftsteller} Ervin Lázár war und ist zeit seines Lebens und bis über seinen Tod 2006 hinaus einer der bekanntesten Kinderbuchautoren Ungarns. Auf Deutsch sind - in der damaligen DDR - nur wenige Titel erschienen, vermutlich weil sich sein an Wortspielen reicher Stil schlecht in andere Sprachen übertragen lässt; möglicherweise auch deshalb, weil in einigen Erzählungen eine implizite Kritik am System durchschimmert. Die ins Deutsche übersetzten Werke sind Arnika, die Entenprinzessin, Bersian und Meister Schräubchen, Die bunte Amsel, und Auf Petis Hof sind Löwen. Weniger bekannt sind seine Erzählungen und der Roman A fehér tigris ('Der weiße Tiger'), die an ein erwachsenes Publikum gerichtet sind.
Das Setting seiner Prosawerke ist stets in einer realistischen Umgebung angesiedelt, die an die Umstände in Lázárs Kindheit und Jugend erinnert. Meistens erlebt die Handlung früher oder später einen Umschlag ins Fantastisch-Märchenhafte: Der weiße Tiger gesellt sich dem Protagonisten grundlos zu und verleiht ihm uneingeschränkte Macht, der Zauberer in der Erzählung A bűvész ('Der Zauberer', erschienen im Erzählband Hét szeretőm, 1994) verliert die Anerkennung seiner Zirkuskollegen, als sich herausstellt, dass er wirklich zaubern kann.
In seinen Kinderbüchern dominiert entweder das Fantastische von Anfang an, wenn z. B. in A négyszögletű kerek erdő (etwa: 'Der runde Wald mit vier Ecken') der Ich-Erzähler von einer Traurigkeit angegriffen wird, die drohend auf sein Haus zuläuft; aber im letzten Moment von Mikkamakka ("Ich kann fast alles, oder alles fast, aber das läuft auf das gleiche hinaus") gerettet wird, der ihn mit in den Wald nimmt.
Warum der in Ungarn so populäre Ervin Lázár fast nur für seine Kinderliteratur bekannt ist, lässt sich nicht so einfach erklären. Möglicherweise war der Eindruck der von der Mitte der Siebziger bis Ende der Achziger erschienenen Kinderbücher so prägend, dass die späteren Erzählbände nicht in dem Maße wahrgenommen wurden, der ihnen eigentlich zustünde. Diejenigen, die ihn als Kinderbuchautor kannten, verbuchten ihn, als seine 'Erwachsenen'-Geschichten erschienen, dann als den Vater von Mikkamakka (vgl. die Titel der Nachrufe). Wobei allerdings Lázárs schriftstellerisches Wirken mit Erzählprosa für Erwachsene beginnt und auch seine Tätigkeit als Mitarbeiter und Redakteur verschiedener Zeitschriften nicht unerwähnt bleiben sollte.
Ich möchte mit diesen Übertragungen ins Deutsche Lázár ein Denkmal setzen. Warum ist seine Erzählprosa nie ins Deutsche übersetzt worden? Hier erscheinen nach und nach seine Geschichten auf Deutsch.

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